Landeskunde > Nachrichten

27.1.26

Museen und Sammlungen

Was bleibt? – Die Zeit der Merowinger (2)

Sonderausstellung im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken

(lmw) Noch bis zum 29. März 2026 widmet sich das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken in seiner neuen Sonderausstellung Was bleibt? Die Zeit der Merowinger einer ebenso bedeutenden wie wenig bekannten Epoche der saarländischen Geschichte.

rab 2 des merowingerzeitlichenGrab 2 des merowingerzeitlichen
Gräberfeldes von Roden ist eine reich ausgestattete Frauenbestattung. (GDKE – Rheinisches Landesmuseum Trier) © GDKE – Rheinisches Landesmuseum Trier, Thomas Zühmer

Grabfunde als Informationsquelle
Faszinierende Schmuckstücke und teils reiche Kleidungsbestandteile, bis in Details aufwändig verzierte Waffen und menschliche wie tierische Knochen sind es, die uns Auskunft geben über die Gesellschaft in der Zeit der Merowinger und darüber, was den Menschen von Bedeutung ist – im Leben wie im Tod. Die Qualität und Menge der Beigaben und Ausstattung der Toten erzählen über die gesellschaftliche Stellung und Rolle der hier Bestatteten – ein Status, der offenbar über den Tod hinaus Bedeutung hat.

Bei Schmuck und Waffen sind die Beigaben für Männer und Frauen teils sehr unterschiedlich, aber Keramik- und Glasgefäße sowie Trachtbestandteile kommen bei Bestattungen beider Geschlechter und auch in Kindergräbern vor. Für ländliche Gegenden wie das heutige Saarland, außerhalb der großen merowingischen Städte und Bischofssitze, sind wenig Schriftquellen überliefert, sodass die Archäologie die Haupt-Informationsquelle zum Leben der Menschen darstellt.

Antiker und moderner „Grabraub“
Da Bestattungen die Hauptinformationsquelle für die Merowingerzeit sind, ist es umso wichtiger, dass sich diese archäologischen Befunde komplett und ungestört erhalten. Nur so können Archäolog*innen möglichst viele Informationen gewinnen – zum Beispiel über die Art der Kleidung, anhand der Lage ihrer metallenen Bestandteile wie Fibeln. Doch schon in der Zeit der Merowinger selbst kommt es zu Störungen von Gräbern und zwar in nicht geringem Umfang. Ungeschützte Bestattungen, die teils auch abseits der Siedlungen liegen, können von fremden Grabräubern relativ einfach geplündert werden. Es kommt aber wohl ebenso vor, dass Hinterbliebene selbst die Gräber nach der Bestattung erneut öffnen und offenbar gezielt Objekte entnehmen. Möglicherweise sollen die kostbaren Stücke, die vor allem im Begräbnisritual von Bedeutung sind, wieder zurück in den Besitz der Lebenden überführt werden.

Solche antiken Störungen sind archäologisch in der Regel am Erdbefund gut nachzuweisen und geben Aufschluss über die Vergangenheit. Dagegen zerstören moderne Raubgräber*innen auf der Suche nach möglichst wertvollen Objekten Grabstätten und die darin enthaltenen Informationen unwiederbringlich.

Das Reihengräberfeld von Altheim
Orte für Bestattungen sind im Frühmittelalter größere Friedhöfe, wo teilweise hunderte Gräber in Reihen nebeneinander angelegt werden: „Reihengräberfelder“. Das größte Reihengräberfeld im Saarland wurde Mitte der 1970er Jahre bei der Anlage eines Neubaugebietes in Altheim entdeckt. Im Verlauf der Ausgrabungen (1974–1986) legten die Archäolog*innen 115 Gräber mit 119 Bestattungen auf einer Fläche von ca. 30 mal 70 Metern frei.

Die ältesten Bestattungen datieren ins späte 6. Jahrhundert, die jüngsten wohl um 700. In den Gräbern hatte man die Verstorbenen auf dem Rücken liegend bestattet, den Kopf nach Westen ausgerichtet. Vereinzelt fanden sich Spuren von hölzernen Grabeinbauten wie etwa Kammern oder Balken, auf denen die Toten gebettet wurden. Auch Kalksteine, die Gräber umgaben und/ oder einem ehemals vorhandenen (Baum-)Sarg Halt gaben, konnten nachgewiesen werden.

In der Mitte des Gräberfeldes zeigte sich eine recht große Fläche, in der sich nur zwei Bestattungen fanden. Mit Abstand gruppieren sich darum, rechteckig angeordnet, weitere Gräber. Ein Grund hierfür könnte sein, dass der Bereich einstmals bebaut war. Vielleicht stand hier eine private Memorialkirche, eine Begräbnisstätte für deren Stifter*innen, als Erinnerungs- bzw. Andachtsort.

    im Detail:  
Icon obenPexels, Ksenia Chernaya   siehe auch:  
     

Startseite | Service | zur ZUM | © Landeskunde online/ kulturer.be 2025
© Texte der Veranstalter, ohne Gewähr