10.11.20

Schloss Mannheim

10.11. 1688: Pfalzgräfin Liselotte schreibt über die drohende Zerstörung Mannheims

(ssg) Am 10. November 1688 schreibt Liselotte von der Pfalz einen ihrer berühmten Briefe: Sie klagt darin über die drohende Eroberung und Zerstörung von Mannheim. Die Prinzessin bewältigte ihr Leid, indem sie unzählige Briefe schrieb – und bis heute zeugen ihre Briefe, über die weite Distanz von 300 Jahren, davon, wie wichtig menschlicher Austausch und Kommunikation sind. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg erinnern an die tatkräftige Prinzessin im Rahmen ihrer Heldenaktion für alle. Mit vier historischen Heldinnen und Helden aus der Geschichte des Landes verbindet sich die Frage: „Wer ist für Sie heute heldenhaft?“

Pfalzgräfin Liselotte. Gemälde von Hyacinthe Rigaud, ca. 1713 Original Schloss Versailles, Kopie Kurpfälzisches Museum HeidelbergHelden-Aktion 2020: Motiv Kurfürst Carl Theodor und Pfalzgräfin LiselottePfalzgräfin Liselotte. Gemälde von Hyacinthe Rigaud, ca. 1713 Original Schloss Versailles, Kopie Kurpfälzisches Museum Heidelberg.

Helden-Aktion 2020: Motiv Kurfürst Carl Theodor und Pfalzgräfin Liselotte

Pfalzgräfin Liselotte in Not

In schwierigen Situationen kann man unterschiedlich reagieren. Eine Möglichkeit: Gedanken ordnen und mit klarem Kopf weitermachen. Das beste Beispiel hierfür ist Pfalzgräfin Liselotte. Nach einer glücklichen Kindheit im Heidelberger Schloss hatte die Tochter des pfälzischen Kurfürsten 1671 aus politischen Gründen den jüngeren Bruder des französischen Sonnenkönigs heiraten müssen. Die Ehe mit Herzog Philippe I. von Orléans war wenig glücklich. Als Liselottes Bruder, der Kurfürst in Heidelberg, kinderlos starb, beanspruchte der französische König die Pfalz. Besonders tragisch – er begründete seinen Anspruch durch die pfälzische Prinzessin als Frau seines Bruders. Hilflos musste Liselotte von Frankreich aus zusehen, wie ihre Heimat verwüstet wurde.

Briefe als Ventil für die Prinzessin

Was half Liselotte in ihrer Bedrängung? Sie schrieb. Noch heute begründen die zahlreichen Briefe ihren Ruhm. Sie bieten nicht nur intime Einblicke in das Leben am französischen Hof, sondern zeigen, wie Liselotte sich in aller Not nicht unterkriegen ließ. Am 10. November 1688 schrieb sie in einem Brief an ihre Tante, Kurfürstin Sophie von Hannover, über die drohende Einnahme Mannheims durch die französische Armee: „… Und was noch meine Unlust vermehrt, ist, daß ich alle Tag hören muß, wie man sich präpariert, das gute Mannheim zu brennen und bombardieren, welches der Kurfürst, mein Herr Vater selig, mit solchem, Fleiß hat bauen lassen; daß macht mir das Herz bluten. Und man nimmt es mir noch hoch vor übel, daß ich traurig darüber bin.“  Liselotte von der Pfalz klagt darüber, „daß mein Name zum Verderb meines Heimatlandes dient. Ich bin weit entfernt, darüber Freude zu empfinden; ich bin sehr zornig darüber. Die Kunst zu heucheln, verstehe ich nicht...“

Heldin oder Held 2020 gesucht

Auf die historischen Vorbilder baut die Aktion „Held oder Heldin 2020 gesucht“ auf. Die Staatlichen Schlösser und Gärten fragen ihre Gäste: Wer ist für Sie heute eine Heldin oder ein Held? Wer hat sich in Corona-Zeiten heldenhaft verhalten? Wer hat das Beste aus der Krise gemacht und eine neue Idee entwickelt? Wer einer persönlichen Heldin oder einem Helden ein Dankeschön widmen will und eine Freude machen, kann sich per Mail heldenhaft2020@ssg.bwl.de oder per Post bei den Staatlichen Schlösser und Gärten melden und erhält eine Schlosscard als Dank und Geschenk für die ausgewählte Person. Das Gutscheinheft öffnet die Tore von 26 Schlössern, Klöstern und Gärten und gilt ab dem ersten Besuch ein Jahr lang. Und die gesamte Aktion ist interaktiv angelegt: Alle sind eingeladen, von den Heldinnen und Helden zu erzählen, die sie beschenken wollen – und sie damit in die neue „Heldengalerie 2020“ bei Facebook oder Instagram unter #heldenhaft2020 aufnehmen zu lassen.

Der historische Hintergrund

Mit der Aktion „Held oder Heldin 2020 gesucht“ knüpfen die Staatlichen Schlösser und Gärten an die Biografien von vier historischen Personen an, die an schwierigen Punkten der Geschichte ihr Leben und ihre Aufgaben meistern mussten – und jede steht für ein Datum. „Heldin 1689“ ist Liselotte von der Pfalz, die sich auch in schwierigen Situationen nicht scheute zu sagen, was sie richtig fand – oder auch grundfalsch, wie etwa den Angriff ihres Schwagers Ludwig XIV. auf die Pfalz, ihre Heimat. „Held 1780“ ist Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz, der die Wissenschaften förderte – unter anderem gehen so wichtige Alltagsdinge wie der Blitzableiter auf seine Einwirkung zurück. „Heldin 1818“ ist Königin Katharina von Württemberg, die sich in der Not sozial engagierte und außerdem die erste höhere Schule für Mädchen gründete. „Held 1819“ ist der württembergische König Wilhelm I., unter dessen Regierung das Land eine konstitutionelle Monarchie, ein Staat mit Verfassung, wurde, außerdem schaffte er die Leibeigenschaft ab, förderte die Landwirtschaft und begründete das Cannstatter Volksfest.

Mit vier historischen Heldinnen und Helden aus der Geschichte des Landes verbindet sich die Frage: „Wer ist für Sie heute heldenhaft?“ Wer dabei an einen Menschen aus der eigenen Umgebung denkt, der oder die in Corona-Zeiten Gutes getan hat oder neue Ideen entwickelt hat, kann ganz einfach mitmachen. Man muss sich nur per Mail (heldenhaft2020@ssg.bwl.de) oder Post bei den Staatlichen Schlösser und Gärten melden, erhält eine von 2020 Schlosscards und kann diesen Dank an die persönliche Heldin oder den Helden des Alltags überreichen.

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