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3.2.26

Schwetzingen

Museum frei Haus - Objekt des Monats

Ein Solitaire für den privaten Luxus

(tisw) Im Februar 2026 stellt „Museum frei Haus“ ein außergewöhnliches Porzellanobjekt vor: ein sechsteiliges Frühstücksservice für eine Person, ein sogenanntes Solitaire, aus der Frankenthaler Porzellanmanufaktur, entstanden um 1768/70.

Porzellanservice aus Frankenthaler Produktion, bestehend aus Schüsselchen, Tasse, Kanne, Milchkännchen sowie Zuckerdose.Porzellanservice aus Frankenthaler Produktion.
Foto: Stadt Schwetzingen / Tobias Schwerdt.

Das fein gearbeitete Ensemble ist mit Zweigen, Blumen und Knospen einfarbig in Purpur bemalt. Diese reduzierte, elegante Farbigkeit, auch als Camaieu-Malerei bezeichnet, verleiht dem Service eine besondere Geschlossenheit. Dezente Akzente in Gold setzen zusätzliche optische Highlights und unterstreichen den luxuriösen Charakter des Porzellans.

Der Begriff „Solitaire“ leitet sich vom französischen solitaire ab und bedeutet „alleinstehend“ oder „für sich allein“. In der Porzellankunst des 18. Jahrhunderts bezeichnete er ein vollständiges, auf eine einzelne Person zugeschnittenes Service, das unabhängig von größeren Tafel- oder Frühstücksservices genutzt wurde. Solitaires waren Ausdruck eines neuen, stärker auf Individualität und persönlichen Genuss ausgerichteten Lebensstils innerhalb adeliger Kreise. Ihre Verwendung markierte bewusst den Unterschied zwischen repräsentativer Öffentlichkeit und privater Sphäre.

Die Frankenthaler Porzellanmanufaktur zählte im 18. Jahrhundert zu den bedeutendsten Manufakturen Europas und genoss weit über die Region hinaus hohes Ansehen. Unter kurfürstlicher Förderung entwickelte sie sich zu einem Zentrum feinster Porzellankunst, das in Qualität und künstlerischem Anspruch mit führenden europäischen Manufakturen konkurrieren konnte. Frankenthaler Porzellan wurde an zahlreiche Höfe geliefert und trug wesentlich zur Repräsentation kurpfälzischer Kultur, Wirtschaftskraft und Innovationsfreude bei.

Solitaires waren im 18. Jahrhundert dem Adel vorbehalten und dienten dem privaten Genuss exklusiver Modegetränke wie Kaffee, Tee oder heißer Schokolade. Diese aus Übersee importierten Getränke galten als kostbar und modern und waren eng mit neuen Formen höfischer Geselligkeit und Selbstinszenierung verbunden. Der bewusste, oftmals ritualisierte Genuss markierte Bildung, Weltläufigkeit und sozialen Rang. Anders als große Tafelservices stehen Solitaires für eine intime Seite höfischer Lebensart: Rückzug, Muße und kultivierten Luxus.

Mit dem Objekt des Monats Februar 2026 lädt das Museum dazu ein, Porzellan nicht nur als kunsthandwerkliches Meisterwerk, sondern auch als Zeugnis kurpfälzischer Kulturgeschichte und adeliger Genusskultur des 18. Jahrhunderts neu zu entdecken.

Zu sehen ist das „Objekt des Monats“ in der Stadtbibliothek Schwetzingen. Die Kooperation von „Museum frei Haus“ und Bibliothek bringt Geschichte sichtbar in den Alltag – zentral, kostenfrei und für alle zugänglich.

„Museum frei Haus – Kultur da, wo Du bist“ bringt während der Umbauphase des Karl-Wörn-Hauses spannende Objekte, Aktionen und Geschichten direkt zu den Menschen – auf Märkte, in Schulen und an öffentliche Orte. Denn Geschichte gehört nicht nur ins Museum, sondern mitten ins Leben.

Weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen und Angeboten von „Museum frei Haus“ werden regelmäßig veröffentlicht. Interessierte können sich unter Museum frei Haus auf dem Laufenden halten.

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