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3.11.26

Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig

Auf und davon! Menschen seit Jahrtausenden unterwegs

Warum verlassen Menschen ihre Heimat und wie verändert Mobilität eine Gesellschaft?

(amslb) Mit der neuen Sonderausstellung «Auf und davon! Menschen seit Jahrtausenden unterwegs» zeigt das Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, dass diese Fragen keineswegs neu sind. Die Ausstellung untersucht die Ursachen und Folgen menschlicher Mobilität sowie den gesellschaftlichen und politischen Umgang mit Fremden in der Antike und eröffnet eine historische Perspektive auf eines der aktuellsten Themen unserer Zeit.

Blick in die Ausstellung, rechts die Darstellung eines Segelschiffs.Teller aus Athen: Eine Frau verabschiedet sich von einem losziehenden Mann,Grabbeigabe in Form eines SchiffesBlick in die Ausstellung

Foto: Flavia Schaub

Teller aus Athen: Eine Frau verabschiedet sich von einem losziehenden Mann, um 520 v. Chr., Inv. Lu 24, Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung 

Grabbeigabe in Form eines Schiffes. Griechenland, 6.–5. Jh. v. Chr., Inv. BS 1941.120   

© alle Bilder: Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig

Menschen sind seit jeher unterwegs. Seit unsere Vorfahren vor über 100’000 Jahren den afrikanischen Kontinent verliessen, haben Mobilität, Migration und Austausch die Entwicklung der Menschheit entscheidend mitgeprägt. Denn auf diese Weise verbreiteten sich Technologien, Wissen, Rohstoffe, religiöse Vorstellungen und Gedankenwelten. Zugleich löste die Begegnung mit Fremden jedoch schon in der Antike widersprüchliche Reaktionen aus: Neugier und Angst, Offenheit und Abgrenzung, Begeisterung und Ablehnung.

«Die Auseinandersetzung mit den ‹Fremden› war schon immer – in jeder Epoche und in jeder Kultur – gesellschaftlich sehr relevant», hält Ausstellungskurator Dr. Esaù Dozio fest. Die Schau fügt sich damit bewusst in einen aktuellen gesellschaftlichen Diskurs; sie will zwar keine konkreten Antworten auf heutige Fragen liefern, aber historische Vergleichsmöglichkeiten eröffnen und zu neuen Perspektiven anregen.

Nach einem thematischen Auftakt führt die Ausstellung durch vier Bereiche. Sie zeigt zunächst eine antike Welt in ständiger Bewegung, fragt nach den freiwilligen und erzwungenen Gründen des Aufbruchs und untersucht die damit verbundenen gesellschaftlichen Folgen. Anschliessend werden die politischen Massnahmen zwischen Exklusion, Assimilation, Integration und Separation in den Blick genommen. Am Ende lädt ein Ort der Reflexion dazu ein, über antike Vorstellungen einer gemeinsamen Menschheit und die Bedeutung dieser Vorstellungen für die Gegenwart nachzudenken.

Eine Welt in ständiger Bewegung
Die antike Welt war von Mobilität geprägt. Menschen reisten über Land, Flüsse und Meere, um Handel zu treiben, neue Gebiete zu erschliessen und Kontakte mit anderen Kulturen zu knüpfen.

Wer unterwegs war, musste sich am Ankunftsort in einer unbekannten Umgebung, mit anderen Sprachen und fremden Lebensweisen zurechtfinden. Die griechischen Mythen spiegeln die Hoffnungen und Gefahren, die mit solchen Reisen einhergingen.

Warum verließen Menschen ihre Heimat?
Die Gründe waren ähnlich vielfältig wie heute. Manche Menschen brachen freiwillig auf, um Handel zu treiben, Arbeit zu finden, neues Wissen zu erwerben oder andernorts ein besseres Leben aufzubauen. Auch Neugier, Heiratspolitik und Abenteuerlust konnten sie in die Ferne führen.

Andere wurden indes durch Krieg, politische Verfolgung, Versklavung, Hunger, Ressourcenknappheit oder klimatische Veränderungen zur Flucht und Auswanderung gezwungen. Jedes Schicksal war anders.

Welche Folgen hatte die Mobilität?
Mit den Menschen reisten auch Waren, Ansichten, Technologien, Religionen und andere kulturelle Errungenschaften. Es verbreiteten sich Ackerbau und Schrift. Kunst und Lebensweisen beeinflussten sich wechselseitig.

Der Kontakt zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen verlief jedoch nicht immer reibungslos. In der Begegnung mit «den Fremden» entwickelten Gesellschaften häufig ein stärkeres Bewusstsein der eigenen Identität. Fragen nach Zugehörigkeit, Anpassung und Abgrenzung gewannen an Bedeutung.

Die Ausstellung thematisiert deshalb neben Fortschritt und kulturellem Austausch auch Ängste vor fremden Einflüssen, religiöse Verfolgung, rassistische Vorstellungen und die Verbreitung von Krankheiten. Mobilität erweist sich somit als vielschichtiger Prozess, der Gesellschaften grundlegend verändern kann.

Politische Antworten zwischen Exklusion und Integration
Bereits antike Gesellschaften suchten nach Antworten auf Fragen, die uns bis heute beschäftigen: Sollte man sich gegenüber Menschen fremder Herkunft abgrenzen oder öffnen? Unter welchen Voraussetzungen konnten Neuankömmlinge Teil einer politischen Gemeinschaft werden? In der Ausstellung werden unterschiedliche Modelle antiker Migrations- und Integrationspolitik gegenübergestellt. Das Spektrum reicht dabei vom restriktiven Bürgerrecht in Athen über kulturelle Anpassungsstrategien in den Reichen Alexanders des Grossen und der Ptolemäer bis zur politischen Integration in Rom. Anhand von Beispielen wird gezeigt, dass man in der Antike unterschiedliche Wege zwischen Ausschluss und Aufnahme erprobte – und dass die damit verbundenen Debatten bis heute vertraut wirken.

«Die Erde ist allen Menschen gemeinsam»
Am Ende des Rundgangs lädt ein Ort der Reflexion dazu ein, über antike Vorstellungen einer gemeinsamen Menschheit nachzudenken. «Dieser Kosmos ist wie eine einzige Stadt», schrieb etwa der Philosoph Epiktet. Seneca bezeichnete die Menschen als «Glieder eines grossen Körpers», während Aelius Aristides festhielt: «Die Erde ist allen Menschen gemeinsam.» Diese Stimmen zeigen, dass man bereits in der Antike Vorstellungen von Weltbürgertum und einer gemeinsamen menschlichen Natur kannte.

Einen zeitgenössischen Kontrapunkt zu diesen antiken Vorstellungen bildet das von Kuverum Kulturvermittlung kuratierte und direkt in die Ausstellung integrierte Projekt «Wege». Es thematisiert die Lebensrealitäten von Sans-Papiers in Basel und lenkt den Blick auf aktuelle Fragen der Zugehörigkeit und Teilhabe.

Teil eines grenzüberschreitenden Museumsprojekts
Die Ausstellung «Auf und davon! Menschen seit Jahrtausenden unterwegs» ist Teil eines grenzüberschreitenden Museumsprojekts, das zwischen Herbst 2026 und Sommer 2027 in Deutschland, Frankreich und der Schweiz insgesamt 30 Ausstellungen zum Thema «Zuhause – unterwegs» umfasst.

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14. September 2025 bis 29. März 2026
Der Inhalt der Ausstellung ist in drei Sprachen verfügbar (Deutsch, Französisch, Englisch)

Öffnungszeiten:
Dienstag & Mittwoch: 11−17 Uhr
Donnerstag & Freitag: 11−22 Uhr
Samstag & Sonntag: 10−16 Uhr

Eintrittspreise
Erwachsene: CHF 22
Gruppen ab 4 Personen: CHF 20
Personen unter 20 Jahren: CHF 9
Personen in Ausbildung unter 30 Jahren: CHF 9
Kinder unter 13 Jahren: gratis, das Spiel wird für Kinder ab 9 Jahren empfohlen.
Museums-Pass-Musées und Schweizer Museumspass: gratis

Spiel buchen
Die Anzahl der Plätze ist beschränkt und mit Time-Slots für den Besuch geregelt. Plätze müssen im Voraus unter herogames.antikenmuseumbasel.ch reserviert werden. Die Bezahlung erfolgt vor Ort an der Museumskasse gegen Vorweis der Reservierung. Telefonische Platzreservationen sind unter Tel. (+41) (0)61 267 01 12 möglich (Di bis Fr, 11 bis 16 Uhr)

    im Detail:  
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