19.2.21

Kloster und Schloss Salem

21. Februar 1706: „… bestmöglichst fein“ – die neue Bibliothek des Klosters Salem

(ssg) Vor 315 Jahren, am 21. Februar 1706, vergab Abt Stephan I. Jung den Auftrag zum Ausbau der Salemer Klosterbibliothek: „… bestmöglichst fein“ sollte diese ausgestattet werden. Dazu beauftragte er den Tischler Benedikt Müller aus Neufrach. Der nun prächtige barocke Bibliothekssaal trug mit seinen wertvollen Büchern und Handschriften zur Repräsentation des Reichsklosters bei. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Bibliothek nochmals umgestaltet – in dem dann zeitgemäßen klassizistischen Stil.

Bibliothekssaal des ehem. Klosters Salem. Foto: SSGBibliothekssaal des ehem. Klosters Salem. Foto: SSG

Die Bibliothek als Herzstück der Abtei

Schon immer spielten Bibliotheken in den Klöstern eine wichtige Rolle, waren sie doch die „geistige Rüstkammer“ der Mönche. Dass man dem Bestand und der Ausstattung besondere Beachtung beimaß, kam daher nicht von ungefähr. Am 21. Februar 1706 schloss Abt Stephan I. Jung den Vertrag zur Ausgestaltung der Salemer Klosterbibliothek in der neugebauten Prälatur ab: Die bedeutende Sammlung sollte in einer nicht minder eindrucksvollen Bibliothek untergebracht werden. Für die Ausstattung verpflichtete man den erfahrenen Schreiner Benedikt Müller aus Neufrach. Die Stuckdecke schuf Franz Joseph Feuchtmayer, die Deckengemälde Anton Bastian (um 1730). Zusammen mit dem Kaisersaal und dem Abtsalon gehörte die Bibliothek zu den repräsentativen Räumen der bedeutenden Reichsabtei.

Neuanfang nach einer Katastrophe

Wenige Jahre zuvor, im März 1697, war ein Großteil des Klosters Salem abgebrannt. Die Hauptbibliothek befand sich zum Zeitpunkt der Katastrophe im Obergeschoss der Marienkapelle. Aufgrund des Backsteingewölbes war der dort untergebrachte Bücherbestand vor dem Feuer geschützt. Für die im Konvent untergebrachten Schriften galt dies jedoch nicht: So sind etwa wichtige Dokumente, wie die Akten des Konstanzer Konzils, für immer verloren gegangen. Bereits wenige Wochen nach dem Brand beschloss der Konvent einen grundlegenden Neubau der Klosteranlage. Die Bibliothek erhielt dabei einen neuen Platz: Sie sollte nun im Obergeschoss der neu errichteten Prälatur untergebracht werden.

„sauber und fleissig… bestmöglichst fein“

Kloster Salem verfügte zwar über eine eigene Klosterwerkstatt, doch für besonders anspruchsvolle Arbeiten engagierte man Fachleute von außen. Am 21. Februar 1706 unterschrieb der Schreiner Benedikt Müller aus Neufrach den Vertrag mit dem Kloster Salem. Er musste versichern, die fest eingebauten Regelkästen nach dem Modell „wehrhaft zu verförtigen, [...] an den Säullen die Postamenter, Gesimbs, Zieraten, und Capitel sauber und fleißig zu machen, das obere Frieß, und Haubt, auch das Gesimbs zu der Gallerie rings herumb samt dem oberen Täffer, und fuas bis besagter Gallerie bestmöglichst fein“ zu gestalten.

Eine herausragende Bibliothek

Die Salemer Klosterbibliothek war für ihre herausragende Qualität bekannt. Sie galt in der ganzen Region als Ort der Wissenschaft und zog von außerhalb zahlreiche Nutzer wie den Historiker Georg Wilhelm Zapf (1747-1810) und Nepomuk Hautinger (1756-1823), Bibliothekar von Sankt Gallen, an. Die 1731 von Abt Konstantin Miller erlassene Bibliotheksordnung spiegelt die rege Nutzung der Klosterbibliothek wider. Ohne Erlaubnis des Abtes durfte fortan kein Buch ausgeliehen werden, bei Entnahme von Büchern musste ein Stellvertreter mit dem Namen des Ausleihenden eingesetzt werden. Um einer Unordnung vorzubeugen, durften die Bücher nur vom Bibliothekar zurückgestellt werden.

Auflösung des Bücherbestands

Im Zuge der Säkularisation am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Kloster Salem aufgelöst und gelangte in den Besitz des Hauses Baden. In seiner zwölfjährigen Regierungszeit unterstützte Großherzog Ludwig vor allem die Universitäten. Die in Salem verbliebene Bibliothek mit ihren kostbaren Beständen verkaufte er daher 1826 an die Universitätsbibliothek Heidelberg: 60.000 Bücher, 495 Handschriftenbände und 30.000 Drucke wechselten ihren Besitzer.

Der Bibliothekssaal heute

Das heutige Aussehen des Bibliotheksaals geht auf die umfassenden klassizistischen Umgestaltungen unter Abt Robert Schlecht zwischen 1786 und 1796 zurück. Dabei wurden die verzierten Säulen entfernt und durch eine Galerie ersetzt, die im Deckengewölbe aufgehängt ist. Die – ursprünglich farbige – barocke Stuckdecke von Franz Joseph Feuchtmayer und die Deckengemälde von Anton Bastian wurden in dieser Zeit weiß übertüncht. Einige der klassizistischen Bücherschränke sind erst in jüngerer Zeit wieder für die Bibliothek erworben worden. Die in der Prälatur vorhandenen Bücher gehören zur Bibliothek des Kulturamts Bodenseekreis.

Kloster und Schloss Salem
Aktuell ist Kloster und Schloss Salem wie alle Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ebenso wie alle Kultureinrichtungen geschlossen.

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