14.9.20

14. September ist der Tag der Kreuzerhöhung

(ssg) Am 14. September wird in der katholischen Kirche das Fest der Erhöhung des heiligen Kreuzes gefeiert. Der Tag hat seinen Ursprung in der Auffindung des Kreuzes Christi durch die heilige Helena, die Mutter von Kaiser Konstatin dem Großen, in Jerusalem. Konstantin ließ an dieser Stelle die Grabeskirche erbauen, die am 13. September 335 geweiht wurde. Ein Tag nach der Weihe, am 14. September, soll den Gläubigen das Kreuz erstmals hocherhoben gezeigt worden sein. Markgräfin Sibylla Augusta sah in Helena, die als Patronin des Christentums gilt, ein Vorbild, das sie sehr verehrte. Die Schlosskirche „Zum Heiligen Kreuz“ ihres Residenzschlosses Rastatt zeugt von der tiefen Bewunderung für die frühchristliche Heilige. Auch im Kloster Wiblingen wird noch heute eine Heilig-Kreuz-Reliquie bewahrt. Ihre Geschichte lässt sich in den Deckengemälden der Klosterkirche und des Kapitelsaals entdecken.

Klosterkirche Wiblingen:Deckenfresko "Auffindung des Heiligen Kreuzes". Foto: Armin Weischer LMZ/SSGReliquiar mit Partikel vom Heiligen Kreuz. Kloster Wiblingen, Kirchenschatz. Foto: SSG/Ov WiblingenKlosterkirche Wiblingen: Deckenfresko. Foto: Steffen Hauswirth LMZ/SSGKlosterkirche Wiblingen:Deckenfresko "Auffindung des Heiligen Kreuzes". Foto: Armin Weischer LMZ/SSG

Reliquiar mit Partikel vom Heiligen Kreuz. Kloster Wiblingen, Kirchenschatz. Foto: SSG/Ov Wiblingen

Klosterkirche Wiblingen: Deckenfresko "Die Grafen von Kirchberg übergeben einen Klosterplan an die Mönche",. Foto: Steffen Hauswirth LMZ/SSG

Wer war die Heilige Helena?
Die Heilige Helena, geboren um 248/50 in der Provinz Bithynien am Bosporus, stammte vermutlich aus ärmlichen Verhältnissen. Bekannt wurde sie durch ihren Sohn, den römischen Kaiser Konstantin I. Den Titel erbte er von seinem Vater. Im Jahr 317 verlieh Konstantin seiner Mutter den Ehrentitel „Augusta“ – Kaiserinmutter. Helena wandte sich dem Christentum zu und ließ sich 312 taufen. Durch ihren Einfluss war Konstantin der neuen Religion gegenüber aufgeschlossen. 313 ließ er im Toleranzedikt von Mailand das Christentum als Religion anerkennen: Die Christen wurden nicht mehr verfolgt und durften ihre Religion frei ausüben. Damit ebneten Kaiser Konstantin und seine Mutter Helena dem Christentum den Weg zur Weltreligion.

Die Entdeckung des Heiligen Kreuzes
Mit über 70 Jahren unternahm Helena 326 eine Reise nach Jerusalem. Reiseanlass war ein Traum mit dem göttlichen Auftrag, die heiligen Stätten wiederzufinden. Das Kreuz Christ wurde unter dem Venus-Tempel auf dem Berg Golgota vermutet. Helena grub an der Stelle, bis drei Kreuze zum Vorschein kamen. Um zu beweisen, dass es sich um das Kreuz Christi handelte, soll sie die Fundstücke an einer Toten getestet haben. Diese soll daraufhin zum Leben erwacht sein. Für Helena bestätigte das die Authentizität der Reliquie. Von dem Kreuz soll sie große Stücke mit nach Europa genommen haben. Bis heute gelten sie als Ursprung vieler Kreuzreliquien.

Die Anfänge des Klosters Wiblingen

Im Jahr 1093 stifteten die Grafen Hartmann und Otto von Kirchberg das Kloster Wiblingen. Mit ihrer frommen Gründung sorgten die Adeligen für ihr eigenes Seelenheil und das ihrer Nachkommen. Der Kreuzgang von Wiblingen beherbergte über viele Generationen die Gräber der Familie. Als kostbares Vermächtnis der Stifter verwahrt das Kloster noch heute eine Reliquie vom Kreuz Christi. Die Grafen hatten die kostbare Reliquie von Papst Urban II. als Dank für ihre Teilnahme am 1. Kreuzzug erhalten. Die Aufbewahrung in einem Schrein in der Klosterkirche machte das neue Kloster zu einem großen Anziehungspunkt für Pilger. Die Geschichte der Kreuzreliquie und ihre Bedeutung für Wiblingen sind im Kloster und seiner Ausstattung allgegenwärtig.

Die Reliquie in der Kirche

Die Klosterkirche ist das Zentrum der gesamten Klosteranlage. Sie beherrscht durch ihre Größe und die Wucht der beiden Turmstümpfe den gesamten Hof. Die fast wehrhafte Front der Kirche lässt nichts von dem festlichen Innenraum erahnen, der sich öffnet, wenn man durch das Kirchenportal tritt. Mit ihrer einheitlichen Ausstattung einschließlich der Kanzel und den Altären ist sie ein eindrucksvolles Raumkunstwerk des frühen Klassizismus. Im räumlichen Zentrum der Kirche und in ihrer Ausstattung steht die wertvollste Reliquie, die Kreuzreliquie. So zeigen die Deckenfresken von Januarius Zick die biblische Kreuzigungsgeschichte, dazu die Legende von der Auffindung des Kreuzes und schließlich Begebenheiten um die Wiblinger Kreuzreliquie.

Die Reliquie im Kapitelsaal

Der Kapitelsaal befindet sich im Ostflügel des Konvents. Außen erinnert die Fassade dieses Baus mit dem ausschwingenden Mittelpavillon an ein Schloss. Der Kapitelsaal selbst geht, wie der Bibliothekssaal, über zwei Geschosse. Hauptschmuck des Saals ist das große Deckenbild, 1754 von Franz Martin Kuen gemalt. Wie in der Kirche erstrahlt auch hier die Kreuzreliquie im Mittelpunkt. Die östliche Bildszene zeigt die Verehrung des heiligen Kreuzes nach seiner Wiederauffindung und öffentlichen Aufrichtung. Gegenüber übergeben die Grafen von Kirchberg einen Klosterplan an die Mönche, die als Stifter hier an prominenter Stelle gezeigt werden.

Die Schlosskirche zum Heiligen Kreuz in Ratstatt

Über dem Fundplatz des Kreuzes ließen Helena und Konstantin von 326 bis 335 die Grabeskirche errichten. Viele weitere Kirchengründungen um Jerusalem herum, wie die Geburtskirche in Bethlehem, werden auf Helena zurückgeführt. Markgräfin Sibylla Augusta verehrte die Heilige als großes Vorbild: In Helena sah sie eine fromme Frau aus dem Herrscherhaus, die die Kirche förderte und den Bau von Gotteshäusern bewirkte – wie die baden-badische Fürstin selbst: Ihr größtes Projekt war die Schlosskirche in Rastatt – dem heiligen Kreuz geweiht. Hier wurde die Markgräfin nach ihrem Tod 1733 beigesetzt. Ganz dem antiken Vorbild folgend, war die Hofkirche nur eine von vielen Kirchen- und Kapellenstiftungen der tiefgläubigen Regentin.

Markgräfin Sibylle als Helena der Neuzeit

Besonders im Deckengemälde aus dem Jahr 1722 zeigt sich die glühende Verehrung für die heilige Helena. Das Thema des Freskos ist die Auffindung des heiligen Kreuzes: Zu sehen sind der zerstörte Tempel und die Grabeskirche im Bau. Das große Kreuz, emporgehalten von den Gläubigen, ragt zentral ins Bild. Es spielt auf die „Kreuzprobe“ an. Bischof Macarius von Jerusalem, der Helena den Hinweis zur Auffindung gab, kniet neben ihr. Die Kaiserinmutter fällt durch ihre schwarze Witwenkleidung auf. Bei näherem Hinsehen sind Parallelen zu einer anderen Person erkennbar: Die Darstellung ähnelt einem Porträt der Markgräfin selbst. Sie ließ sich in das Deckenfresko ihrer Schlosskirche als zentrale Hauptfigur malen. Das Gemälde stammt von dem schwäbischen Maler und Freskanten Johann Hiebel (1679–1755), der vornehmlich in Prag tätig war und vom böhmischen Barock beeinflusst war.

Öffnungszeiten Kloster Wiblingen: täglich 10.00 bis 17.00 Uhr;

Bibliothekssaal geschlossen:
19. September 2020 11.00 bis 13.30 Uhr
26. September 2020 11.00 bis 13.30 Uhr
10. Oktober 2020 11.00 bis 13.30 Uhr und 15.00 bis 16.00 Uhr
17. Oktober 2020 14.00 bis 15.00 Uhr
24. Oktober 2020 11.00 bis 13.30 Uhr
31. Oktober 2020 11.00 bis 13.30 Uhr

5,00 €, Ermäßigte 2,50 €, Familien 12,50 €

im Detail:  
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