13.5.20

Schloss Mannheim

Franziska Lebrun, gefeierte Sängerin am kurfürstlichen Hof Mannheim (+1791)

(ssg) Am 14. Mai 1791, mit gerade einmal 35 Jahren, starb Franziska Lebrun, geborene Danzi, in Berlin. Als Tochter eines Mannheimer Hofvioloncellisten hatte sie sich ihren Status als anerkannte Sopranistin und Komponistin unter Kurfürst Carl Theodor hart erarbeitet. Sie debütierte am Mannheimer Hof und war bald darauf in ganz Europa gefragt.

Ludwig August Lebrun und seine Frau Franziska. Scherenschnitt.Thomas Gainsborough, Porträt der Franziska Lebrun, 1780Links: Ludwig August Lebrun und seine Frau Franziska. Scherenschnitt.

Unten: Thomas Gainsborough, Porträt der Franziska Lebrun, 1780

EIne musikalische Kindheit
Am 24. März 1756 wurde Franziska Dorothea Danzi als erstes Kind des ersten Hofvioloncellisten Innocenz Danzi in Mannheim geboren. Franziska Danzi profitierte von dem innovativen musikalischen Umfeld der berühmten „Mannheimer Schule“ am Hof von Kurfürst Carl Theodor. Wie ihre Geschwister erhielt sie von ihrem Vater Klavier- und Gesangsunterricht. Franziska war sehr begabt und wurde deshalb wahrscheinlich von der Primadonna der Mannheimer Hofoper, Dorothea Wendling, weiter im Gesang ausgebildet. Aber auch der Tenor und Freund der Familie, Pietro Sarselli, käme als Gesangslehrer in Frage. Sie zählte zusammen mit ihrem späteren Ehemann, dem Oboenvirtuosen Ludwig August Lebrun, zur zweiten Schülergeneration der Mannheimer Schule, der sogenannten Virtuosen-Generation.

Operndebüt in Schwetzingen
Ihr Debüt als Opernsängerin gab Franziska Danzi im Sommer 1772 im Alter von 16 Jahren im Schlosstheater in Schwetzingen, der kurfürstlichen Sommerresidenz. Die junge Sopranistin erlangte die Anerkennung von Carl Theodor, und nur wenige Monate nach ihrem Debüt wurde sie ausgewählt, um in zwei komischen Opern zu den Namenstagsfeierlichkeiten des Kurfürstenpaares aufzutreten: Sie sang sie im November im Rahmen der Festaufführungen im Residenzschloss Mannheim. Diese und andere Aufführungen waren gesellschaftliche Ereignisse, mit denen der Kurfürst seine Bedeutung in Europa – zumindest auf dem Gebiet der Künste – vor einer großen Schar ausländischer Gäste eindrucksvoll demonstrierte.

Der Weg zum internationalen Erfolg
Für Franziska Danzi hätte das erste Jahr ihrer Opernkarriere nicht besser enden können: Mit ihren Auftritten hatte sie die Bretter der internationalen Opernbühne betreten. Zur gefeierten Primadonna avancierte sie mit der Rolle der Pfalzgräfin Anna in Ignaz Holzbauers Oper „Günther von Schwarzburg“, die am 5. Januar 1777 mit großem Erfolg in Mannheim uraufgeführt und von den Zeitgenossen als erste deutsche Nationaloper freudig begrüßt wurde. Die gesangstechnisch höchst anspruchsvolle Partie der Pfalzgräfin hatte ihr der Komponist im Sinne Mozarts „so accurat angemessen [...], wie ein gutgemachts kleid”.

Brautschatz-Reise
Nun war für die gefeierte Sängerin der Zeitpunkt gekommen, sich auch außerhalb Mannheims einen Namen zu machen. Anfang 1777 gewährte Kurfürst Carl Theodor Franziska Danzi und ihrem Freund Ludwig August Lebrun, wie ihr Vater Mitglied des Mannheimer Hoforchesters, einen einjährigen Urlaub vom Hofdienst und Franziska konnte beginnen, ihre Aussteuer zu verdienen. Die Ziele der „Brautschatz“-Reise waren Paris und London. Beide Musikmetropolen waren dafür bekannt, dass hohe Gagen gezahlt wurden. Außerdem hatte sich Lebrun als Oboenvirtuose in Paris bereits einen Namen gemacht und konnte Franziska beim Konzertdebüt behilflich sein. Von Paris aus reiste das Paar nach London, wo Franziska für die Spielzeit 1777/78 am King’s Theatre engagiert war. Finanziell schien der London-Aufenthalt ein Erfolg gewesen zu sein, denn im Mai 1778 heirateten Franziska Danzi und Ludwig August Lebrun in London.

Umzug nach München
Nach dem Ende der Spielzeit kehrten die Frischvermählten nach Mannheim zurück. Zum Zeitpunkt ihrer Ankunft herrschte Aufbruchstimmung im einstigen musikalischen „Athen der Deutschen”. Kurfürst Carl Theodor hatte bereits Anfang des Jahres nach dem Tod des kinderlosen bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph dessen Erbe angetreten und hatte seine Residenz nach München verlegt. Die jungen Eheleute folgten Carl Theodor und siedelten in die bayerische Residenzstadt über. Durch die Zusammenlegung der beiden Hofkapellen entstand ein Überangebot an Musikern – der Nebeneffekt dieser Situation war eine großzügigere Handhabung der Urlaubsregelung, von der auch die Lebruns profitierten. So gewährte ihnen Kurfürst Carl Theodor wunschgemäß einen mehrjährigen Urlaub vom Hofdienst.

Früher Tod in Berlin
Ab dem Jahr 1784 waren die Eheleute permanent auf Reisen: Mailand, Paris, London, Wien, Prag und Neapel waren die Stationen. Lediglich, wenn die Opern in der Karnevalszeit ihre Mitwirkung laut Vertrag erforderten, kehrten sie nach München an den Hof des Kurfürsten zurück. Im Herbst 1789 wurde Franziska Lebrun für die kommende Spielzeit an die Königliche Oper in Berlin berufen, wo sie das Publikum von sich überzeugen konnte und gleich für kommende Aufführungen engagiert wurde. Die zweite Reise nach Berlin sollte aber eine schicksalshafte Wendung in ihrem Leben bedeuten. Wenige Wochen, nachdem die Eheleute 1790 in Berlin eingetroffen waren, verstarb Ludwig August Lebrun am 16. Dezember unerwartet an den Folgen einer Leberentzündung. Diesen Verlust überwand Franziska nicht. Sie starb fünf Monate nach ihrem geliebten Mann am 14. Mai 1791 in Berlin.

Residenzschloss Mannheim
Geöffnet seit Dienstag, 12. Mai 2020; Di - So und Feiertag 10.00 bis 17.00 Uhr

im Detail:  
siehe auch:  

Startseite | Service | zur ZUM | © Landeskunde online/ kulturer.be 2020
© Texte der Veranstalter, ohne Gewähr