|
4.3.16
Etwas zum "Badischen" als Mundart
Immer wieder trifft man auf den Begriff "Badisch", wenn es um
die Sprache geht. Allein Google verzeichnet 4080 Einträge auf den
Suchbegriff "schwätz badisch". Das der erste Nachweis aus dem Karlsruher
Stadtwiki kommt, ist dabei kein Zufall.
Die Sprachwissenschaft indessen verzeichnet für das alte
Land Baden 7 (sieben!) Dialekte in zwei Sprachfamilien.
Da ist zunächst die fränkische Sprachgruppe im Norden des alten
Baden. Sie zerfällt in Ost-,
Süd-
und Rheinfränkisch - ostfränkisch um Wertheim, Südfränkisch
um Karlsruhe und im nördlichen Kraichgau und Rheinfränkisch um
Mannheim und Heidelberg gesprochen. Ost- und Südfränkisch gehören
dabei zu den oberdeutschen Dialekten, das Rheinfränkische, das
im Westen dann ins Moselfränkische übergeht, zu den mitteldeutschen
Dialekten.
Die altbekannte Oos-Murg-Linie ist die Grenze zu den alemannischen
Mundarten. Sie zerfallen in Niederalemannisch - etwa bis zum Kaiserstuhl
gesprochen -, in Hochalemannisch - im Breisgau - und schließlich
in Höchstalemannisch im südlichen Markgräflerland. Am Bodensee
schließlich spricht man Seealemannisch.
Das "Badische Wörterbuch", ein seit Jahrzehnten bearbeitetes Projekt
des Deutschen Instituts an der Universität Freiburg (Arbeitsstelle
Badisches Wörterbuch) verzeichnet alle Diaklektbegriffe, die im
Bereich des alten Landes Baden gesprochen und verwendet wurden
und werden - also aus dem oben genannten sieben Dialekten. Eine
"badische Sprache" lässt sich daraus nicht ableiten.
Dass publikums- und medienwirksam der um Karlsruhe gesprochene
Dialekt als "badisch" bezeichnet wird, ist falsch. Baden ist größer.
Und vor allem - wie sich gerade in der Sprachfamilie zeigt - Baden
ist Vielfalt.
Orignalkarte (wikipedia/Brichtig - Eigenes Werk) unter de.wikipedia.org/wiki/Oberdeutsche_Dialekte |