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Der Rhein
 

Der Rhein fließt in allgemein nordnordwestlicher Richtung und durchfließt dabei sehr unterschiedliche Naturräume. Seine Quellflüsse sind der Vorder- und der Hinterrhein im Kanton Graubünden, der eine entspringt am Gotthardmassiv, der andere am Rheinwaldhorn. Auf seinem Weg durch die Alpen bilden diese Quellflüsse zum Teil tiefe Schluchten. Ab Sargans bildet er die Grenze zwischen der Schweiz und Liechtenstein, später dann die Grenze zu Österreich

Vom Bodensee an fließt der Rhein nach Westen, durchquert den See und fließt als Hochrhein weiter in Richtung Basel. Auf dem Weg nimmt er mit der Aare seinen stärksten Zufluss auf.

Seerhein bei Gottlieben

Bei Basel wendet er erneut seinen Lauf fast nach Norden und fließt durch die Oberrheinische Tiefebene, deren Kies- und Schotterflächen durch seine Ablagerungen und die seiner Nebenflüsse aufgeschüttet wurden. Da sein Gefälle hier deutlich abnimmt, bildete er auf weite Strecken breit gelagerte Flussschlingen aus und mäandrierte in einem breiten, fast 10 km breiten Bereich.

Bei Mainz wendet er sich wieder auf ein kurzes Stück nach Westen, um bei Bingen eine nordwestliche Richtung einzuschlagen und das Rheinische Schiefergebirge mit dem Mittelrheintal zu durchschneiden. Mit diesem Streckenabschnitt verbindet sich besonders die Rheinromantik, die sich unter anderem im 19. Jahrhundert darin äußerte, dass eine Vielzahl "romantischer" Burgen wieder aufgebaut wurde.

Nach der Einmündung der Sieg flussabwärts von Bonn bildet er als Niederrhein in der Ebene wieder lange Schlingen aus, bevor er bei Arnheim und Nijmwegen wieder nach Westen einschwenkt und das breite Mündungsdelta in den Niederlanden auszubilden beginnt.

Geologisch ist der Rhein in seinem Gesamtverlauf ein sehr junger Fluss, der sich sein Bett allmählich stromaufwärts selbst ausbildete und nach und nach immer mehr Quellflüsse anzapfte. Schließlich nahm er im Süden der Oberrheinischen Tiefebene auch das Wasser der Ur-Aare auf, die bis dahin durch die Burgundische Pforte zur Rhone hin entwässerte und hatte somit das Alpengebiet selbst als Einzugsgebiet gewonnen.

RheinfallGeologisch und geographisch interessante Stellen bietet der Fluss im Bereich des Hochrheins beim Rheinfall bei Schaffhausen, wo er über eine mächtige Klippe aus hartem Gestein stürzt. Eine weitere Stromschnelle (am Hochrhein „Laufen“ genannt) ist der Aufstauung des Rheins für das Kraftwerk unterhalb von Laufenburg zum Opfer gefallen.

Bild rechts: Rheinfall

Dass der Rhein als aggressiver Hochgebirgsfluss sein Einzugsgebiet vergrößert hat, lässt sich an der Wutachschlucht sehen. Hier grub sich die Wutach seit der letzten Eiszeit in das weiche Kalkgestein ein, so dass das neue Flussbett sehr viel tiefer liegt als zu der Zeit, in der das Flüsschen in die Donau floss.

Flussbett der trocken gefallenen Donau bei ImmendingenSchließlich ist hier auch die "Anzapfung" der Donau selbst zu nennen, deren Wasser bei Immendingen im Kalkstein-Untergrund versinken, im Aachtopf und anderen Karstquellen wieder zu Tage treten und schließlich über den Bodensee in den Rhein fließen. In den Sommermonaten fällt die Donau völlig trocken, bis sie wieder durch neue Nebenflüsse gespeist wird.

Bild links: Flussbett der trocken gefallenen Donau bei Immendingen

Stromschnellen und einen markanten Felsblock, der einst vom Rhein umspült war, gibt es bei Efringen-Kirchen und Istein am südlichen Oberrhein. Hier lassen sich auch die Auswirkungen beobachten, die der Bau des Rhein-Seiten-Kanals in den 1960er Jahren mit dem rapiden Absinken des Grundwasserspiegels brachte.
 

Auwald TaubergießenNördlich davon, zwischen Rheinhausen und Kappel, besteht noch Deutschlands einziger „Urwald“, der „Taubergießen“, ein Gebiet des ungebändigten Auenwalds, wie er noch im 19. Jahrhundert die Ufer des Stroms säumte (Bild links).

Ein Charakteristikum der Oberrheinebene sind die Nebenflüsse, die einen sehr langen Weg fast parallel zum Strom fließen, bis sie schließlich in ihn münden. Auf deutscher Seite ist das die so genannte Kinzig-Murg-Rinne, die mit Dreisam und Elz nördlich des Kaiserstuhls beginnt und mit einzelnen Unterbrechungen bis auf Höhe Darmstadts zog, wo ehemals der alte Neckar mündete. Auf elsässischer Seite ist das der Lauf der Ill, die um die 130 km durch das Elsass fließt, bis sie nördlich von Straßburg den Rhein erreicht.

Im nördlichen Teil des Oberrheins, besonders zwischen Karlsruhe und Mannheim, sind die zahlreichen Schlingen, die der Fluss im Lauf seiner Geschichte ausgebildet hatte, zum Teil noch gut im Gelände oder auf der Karte zu erkennen. Einige dieser Schlingen bestehen als Altarme des Flusses weiter und sind wichtige Naherholungsgebiete.

Im gesamten Oberrheingebiet laufen Bemühungen, dem Strom seine Ausdehnungsflächen, die ihm die Verbauung der Landschaft im 19. und 20. Jahrhundert genommen hatte, wieder zurück zu geben. Die Einengung hat zur Folge, dass Hochwasser schneller abfließen und die unterhalb gelegenen Gebiete von Mittel- und Niederrhein mit voller Wucht und hohen Wasserständen treffen. Durch den Bau von Poldern, die die Hochwasserspitzen aufnehmen, wird dem entgegen gewirkt. Ein Begleiteffekt dieses Polderbaus ist die natürliche Durchfeuchtung der Auwälder, so dass die Natur wieder ein Stück ihrer ursprünglichen Vielfalt zurück bekommt.

Der Rhein ist stromaufwärts bis Basel internationale Wasserstraße. Dazu wurde er im 19. Jahrhundert begradigt, „korrigiert“ und in seinem Lauf um 82 km verkürzt (siehe Rheinkorrektion). Die damit gestiegene Erosionskraft des Flusses muss durch Zugabe von Kies („Geschiebe“) ständig ausgeglichen werden, damit er sich nicht immer tiefer in seinen Untergrund eingräbt. Für die Schifffahrt wurde zwischen Basel und Breisach in den 1920er und 1930er Jahren der Rheinseitenkanal gebaut, der dem Altlauf des Flusses das Wasser entzog und so Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel zeigte. Um diese negativen Folgen zu vermeiden, verwirklichte man nach dem 2. Weltkrieg auf französischer Seite zwischen Breisach und Iffezheim die „Schlingenlösung“, in der immer wieder ein Teil des ursprünglichen Rheinlaufs als Schifffahrtsweg genutzt wird. Die Staustufen sind durchweg auch als Wasserkraftwerke genutzt.

Containerlager in Mannheimer AltrheinhafenBasel, Straßburg, Karlsruhe und Mannheim sind wichtige Häfen am Fluss. Der Mannheimer Hafen (Bild rechts: Containerlager in Mannheimer Altrheinhafen) war in der Geschichte bedeutend, weil die Stadt am oberen Ende des natürlich schiffbaren Flusses lag, hier also die Waren umgeladen und auf Straßen, später auf der Schiene, weiter transportiert wurden. Hier, in Mannheim, hatte auch die Rheinschifffahrtskommission ihren Sitz, die den Verkehr auf der internationalen Wasserstraße regelte.

Der Rhein bewältigt von der Quelle bis zur Mündung auf seinen 1232 km Länge eine Höhendifferenz von 2345 m, vom Seeausfluss bei Konstanz bis zur Mündung sind das immer noch 1000 km Länge und 400 m Höhenunterschied. Die Donau hat, wenn man die erste Strecke im Schwarzwald nicht rechnet, für 680 m Höhenunterschied über 2800 km zur Verfügung.


     

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